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Lehre(n) aus Corona ziehen!

Beschluss der 45. Bundesmitgliederversammlung im Mai 2022 in Köln


Viele deutsche Hochschulen haben die Digitalisierung lange verschlafen und wurden durch Corona dazu gezwungen, dies in kürzester Zeit nachzuholen. Die Leidtragenden waren mal wieder die Studierenden. Zwei Jahre nach Beginn der Pandemie haben sich zumindest einige Dozierende daran gewöhnt und die allermeisten Hochschulen haben immerhin irgendeine Lösung bereitgestellt.


Doch ist jetzt alles gut und klappt Online-Uni wirklich? Während wir erkennen, wie wichtig die Umstellung auf Distanzlehre war, um einander solidarisch vor einer gefährlichen Infektion zu schützen, sehen wir einige Mängel und fordern, dass langfristig Lehren aus Corona gezogen werden.

Wichtigkeit von Präsenzlehre nicht vergessen

Als Campusgrün Bundesverband setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass Universitäten solidarisch geöffnet werden, wenn die Pandemie-Entwicklung dies zulässt.

Zwei Jahre Corona haben uns nicht nur gezeigt, dass Digitalisierung erforderlich ist, sondern auch funktionieren kann. Sie hat uns außerdem aber auch schmerzlich gezeigt, wie wichtig persönlicher unmittelbarer Austausch sein kann, um ein erfolgreiches Studium, aber auch vor allem die kritische und zugleich rücksichtsvolle Auseinandersetzung unter Studierenden und mit den Dozent*innen zu gewähren. Präsenz erleichtert Nachfragen - sie ermöglicht Einwände, vereinfacht nach den Vorlesungen und anderen Veranstaltung eine kleine Frage an die*den Professor*in zu stellen und sich mit Kommiliton*innen für Lerngruppen zu vernetzen, sich über Erfahrungen auszutauschen oder einfach neue Freund*innen zu finden.


Gegen die Vereinzelung

Durch die Isolierung werden auch der politische Austausch, studentische Organisierung und Vernetzung erheblich erschwert. Wir sind der Meinung, dass Hochschulen ein politischer Ort sind und sein müssen, weshalb es unerlässlich ist, dass Studierende sich über aktuelle (hochschul-)politische Entwicklungen austauschen und informieren können. Die verfasste Studierendenschaft ist ein wichtiges Organ der Meinungsbildung und Einflussnahme von Studierenden, die durch die Vereinzelung aufgrund digitaler Lehre nicht untergraben werden darf. Darum fordern wir von den Hochschulen nicht nur die Rückkehr zur Präsenz, sondern auch im Besonderen die Unterstützung der Aktivität von Hochschulgruppen, zum Beispiel durch das Bereitstellen ausreichender Räumlichkeiten und einer möglichst barrierefreien und einfachen Möglichkeit der Buchung und Nutzung.

Chancen der Digitalisierung


Für einige Studierende hatte das Online-Semester auch einen positiven Effekt: Digitaler Austausch senkt für Studierende mit Behinderung, chronischer oder psychischer Erkrankung sowie neurodivergente Studierende

die Hürden. Flexibilität durchs Aufnehmen von Veranstaltungen ist gut für Studis, die pflegend oder betreuend Verantwortung für Familie und Angehörige übernehmen. Studis mit Behinderung erlebten durch Online-Lehre weniger Barrieren oder hatten wenigstens vergleichbare Voraussetzungen wie ihre Kommiliton*innen.


Stay Hybrid

Wir unterstützen “mehr digital”, wenn dies nicht als Sparmaßnahme durchgesetzt wird, die Präsenz-Angebote einfach ersetzt. Stattdessen fordern wir eine bessere finanzielle Ausgestaltung der Hochschulen und Universitäten, damit ein Neben- und Miteinander Präsenz- und digitaler Angebote entsteht, das den Studierenden zusätzliche Lern- und Austauschmöglichkeiten bietet. Gerade weil die Pandemie noch anhält, braucht es sowohl Angebote für Studierende, denen die unmittelbare soziale Interaktion sonst fehlen würde, als auch für Studierende, für die eine Teilnahme an Präsenzlehre ein zu großes Risiko wäre oder sie erheblich einschränken würde. Ein gutes begleitendes hybrides Lern- und Lehrangebot ermöglicht ein modernes, flexibles und barriereärmeres Studium. Es erleichtert etwa Studierenden, die Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder zur Finanzierung ihres Studiums arbeiten müssen das Leben enorm und bietet benachteiligten Menschen Teilnahme und Teilhabe. Diesen Zugewinn an Möglichkeiten und Gleichberechtigung dürfen die Hochschulen nicht durch den Verzicht auf Hybrid und die Rückkehr zur Präsenz als einzigem Lehrformat wieder abbauen. Alternative Möglichkeiten der Teilnahme und Teilhabe müssen weiterhin angeboten und beworben werden. Wir fordern, auch nach der Pandemie eine gute Lernumgebung für alle Studierenden aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln.

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